Essen & Trinken, Wolfenbüttel

Ausflugstipp: das wahrscheinlich kleinste Café Europas

Das Café Tasse in Mönchevahlberg ist klein und beschaulich – Foto: Beate Ziehres

Bärbel Brackmann trinkt gerade mit einem Gast in ihrem „Café(T)ASSE“ eine Tasse Kaffee. Als ich zu dieser gemütlichen Runde stoße, ist die Gaststube fast voll. Kein Wunder, schließlich betreiben die Brackmanns in Mönchevahlberg im Landkreis Wolfenbüttel das vermutlich kleinste Café Europas – auf 8,41 Quadratmetern. Dem winzigen Café verdanken es Bärbel und Uwe Brackmann, mit ziemlicher Sicherheit die berühmtesten Bewohner des 120-Seelen-Dorfes an der Asse zu sein. Seit die beiden entdeckt haben, dass ihr Café kleiner ist als der Rekordhalter in Bayern, geben sich Reporter und Fotografen die Klinke in die Hand.

Medienandrang: So hat die Welt vom kleinsten Café erfahren

Der NDR war da, Vertreter aller Lokalredaktionen und die Deutsche Presseagentur dpa. Letztere hat dafür gesorgt, dass die Menschen in Berlin, Osnabrück und Recklinghausen von den Plänen des Ehepaares erfahren haben. Denn die Brackmanns wollten es amtlich, dass sie das kleinste Café Europas haben. Sie verfassten ein Bewerbungsschreiben ans Guinnessbuch der Rekorde – und warteten.

Doch inzwischen ist in Mönchevahlberg Post aus London eingetrudelt, von einer Anwaltskanzlei. „Sie haben geschrieben, dass das Guinnessbuch keine Cafés mehr aufnimmt“, berichtet Bärbel Brackmann, nachdem sie mir ebenfalls eine Tasse Kaffee serviert hat. Doch so schnell geben die Brackmanns nicht auf. Sie haben ein neues Schreiben aufgesetzt, und zwar an das Rekord-Institut für Deutschland. Nun heißt es wieder warten. „Wir nennen uns einfach weiter das vermutlich kleinste Café Europas“, erklärt Bärbel Brackmann unverdrossen.

Downsizing nach Art der Brackmanns

Doch wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass die Brackmanns den ehemaligen Wäscheraum ihres Hauses in ein Mini-Café verwandelten? Dazu muss Bärbel Brackmann etwas ausholen: Bis vor einiger Zeit nannte sie das Café Eulenspiegel in Schöppenstedt ihr Eigen. „Das waren im Sommer 100 Plätze und im Winter 50.“ Schon in Schöppenstedt backte Bärbel Brackmann aus der Not heraus ihren Kuchen selbst. Als sie schließlich gesundheitliche Probleme bekam, wurde alles zu viel. Sie gab das Café auf.

Eine eigene Küche für das kleinste Café

Doch bald fiel ihr die Decke auf den Kopf – das Paar sann auf Abhilfe. So entstand das Café mit drei Plätzen an einem einzigen Tisch. Den Hygienevorschriften wurde unter anderem mit einer separaten Küche samt Backofen Genüge getan. Inzwischen expandiert Bärbel Brackmann schon wieder: Zu den acht Plätzen auf dem Gehweg vor dem Haus sind neuerdings 15 Plätze im Hof hinter dem Haus gekommen. „Gäste mit kleinen Kindern wollten nicht an der Straße sitzen“, sagt sie. So gehen wir alle nach draußen, um den neuen Hofgarten, wie die stolze Besitzerin den Bereich nennt, in Augenschein zu nehmen.

Demnächst Krimilesung im Kaffeegarten?

In dieser lauschigen Atmosphäre eine Autorenlesung bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen – das wäre  doch nicht schlecht. Und gar nicht weit hergeholt, schließlich hat der Hausherr Uwe Brackmann bereits eine Serie von Wolfenbüttel-Krimis veröffentlicht. Er ist der Erfinder der Detektei Lessing, die sich mit der imaginären kriminellen Energie der Regionsbewohner zu befassen hat.

Lorbeeren für die selbst gebackenen Torten

Bärbel Brackmann beschäftigt sich in ihrer freien Zeit hingegen in der neuen Küche: Für die drei Tage, an denen das Café geöffnet hat, backt sie vier Torten. Dabei richtet sie sich zum einen nach der Saison und zum anderen nach dem Geschmack der Gäste: „Schokotorte und Mohn-Marzipan geht immer“, schmunzelt sie. Auch ihre neuste Eigenkreation, Tiramisu-Torte mit Kirschen, sei sehr gut angekommen.

Waldmeister-, Zitronen- und Schoko-Birnen-Torte – das sind laut Bärbel Brackmann die Publikumslieblinge in der wärmeren Jahreszeit. Ich habe jedenfalls Glück, dass noch Käsetorte da ist. Um in den Genuss von Erdbeersahne zu kommen, hätte ich allerdings sehr viel früher aufstehen müssen.

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