Braunschweig, Szene & Kultur

Die Performance entscheidet: Patrick Schmitz über die Poetry Slams in der Region

Gewonnen? Poetry Slam im LOT-Theater – Foto: Andreas Reiffer

Poetry Slammer sind viel unterwegs. Ende September dürfte unsere Region ihr bevorzugtes Reiseziel sein. Denn am 29. und 30. September findet hier die Niedersächsisch-Bremische Landesmeisterschaft im Poetry Slam statt: die Vorrunden in Braunschweig (LOT-Theater), Wolfsburg (Hallenbad) und Helmstedt (Roxy-Kino) und das große Finale im altehrwürdigen Lessingtheater in Wolfenbüttel.

Poetry-Slam-Pionier Patrick Schmitz – Foto: Holger Reichard

Zeit also, sich mit Slammaster-Urgestein Patrick Schmitz zu verabreden, um bei einer Tasse frisch gebrühtem Kaffee darüber zu plaudern, was den Poetry Slam in dieser Region so besonders macht. Seit vielen Jahren ist er für die Organisation der Slams zuständig sowie für die grafischen Werbemittel und das Geschäftliche, während sein Kollege Dominik Bartels für die künstlerische Leitung verantwortlich zeichnet.

Ein sportliches Programm

Wer Patrick Schmitz treffen möchte, besucht ihn am besten nachmittags im KingKing-Shop in der Kastanienallee, wo es neben individuell bedruckbaren T-Shirts, Büchern, Kunst und Kitsch auch Karten für die Slam-Veranstaltungen zu kaufen gibt. Keine einfache Aufgabe, hier einen freien Platz für unser Gespräch zu finden. Denn Patrick Schmitz betreibt nicht nur zusammen mit Stefan Zeuke den Shop, sondern arbeitet zusätzlich halbtags als Technischer Redakteur. Hinzu kommt die Organisation der Poetry Slams, regional und gelegentlich auch überregional, wie z. B. in Oldenburg oder Würzburg. Ein sportliches Programm an Terminen, Aufgaben und Verpflichtungen. Entsprechend unaufgeräumt darf es bei ihm aussehen.

Hauptschauplatz Braunschweig

Nachdem wir an seinem Schreibtisch einen freien Platz gefunden haben, versuchen wir uns zu erinnern, wie das eigentlich mal angefangen hat mit diesem Poetry Slam. Braunschweig war neben Hannover und Berlin einer der Hauptschauplätze, erzählt Patrick Schmitz. Der erste Braunschweiger Slam wurde bereits Ende der 1990er-Jahre von Jan Off durchgeführt, in der Szene-Lokalität Brain. Es folgte eine kurze Pause, bis Schmitz und sein damaliger Kollege Roland Kremer den Faden wieder aufnahmen und den Poetry Slam in Braunschweig ab 2001 mit regelmäßigen Veranstaltungen etablierten, zunächst in der Gastronomie Funzel, später dann in der Neustadtmühle.

Seit 2008/2009 finden die Braunschweiger Slams zumeist im LOT-Theater sowie im Roten Saal des Schlosses statt, Slams zu speziellen Themen und Best-of-Abende inklusive, macht 14 Veranstaltungen jährlich. Hinzu kommen die Dichterwettstreite in Wolfsburg, Gifhorn und Helmstedt. Wer als Zuschauer daran teilnehmen möchte, passiv oder auch aktiv (beim Abstimmen über den Sieger des Abends), muss sich rechtzeitig um Tickets bemühen. Die Veranstaltungen, insbesondere die in Braunschweig, sind meist binnen weniger Wochen ausverkauft.

Bundesweit etwa 2.000 bis 3.000 Slams

Der große Zuspruch spiegelt die Bedeutung des Braunschweiger Poetry Slams wider. Er zählt unter den bundesweit etwa 2.000 bis 3.000 Slams zu den großen etablierten und ist damit »berechtigt«, Slammer zu den Deutschen Meisterschaften zu entsenden. Slammer aus dem ganzen Land kommen deshalb gern in diese Region, auch weil das Publikum hier viel Erfahrung mit der Veranstaltungsreihe hat und ein volles Haus (fast immer) garantiert ist.

Nicht wenige Bühnenkünstler, die schon oft in Braunschweig zu sehen waren, haben inzwischen eine Bekanntheit erlangt, die weit über die Szene hinausgeht. Wie zum Beispiel Till Reiners aus Berlin, der 2014 mit dem »Deutschen Kabarettpreis« (Förderpreis) prämiert wurde. Patrick Schmitz und seinem Kollegen Dominik Bartels ist jedoch wichtig, nicht nur die überregionalen Stars nach Braunschweig zu holen, sondern auch den Profis und Talenten vor Ort immer wieder Auftrittsmöglichkeiten zu geben. Deshalb kommenden die teilnehmenden Künstler zu 50 Prozent aus der Region, zu 50 Prozent von außerhalb.

Die Performance entscheidet

Meine letzte Frage an Patrick Schmitz: Welchen Tipp kann er Autoren geben, die zum ersten Mal an einem Poetry Slam teilnehmen? Seine Antwort: Es sind nicht immer die witzigsten Vorträge, die gewinnen. Entscheidend ist die Performance. Außerdem sollte man stets mehrere Texte in der Tasche haben. Man weiß nie, was die Bühnenkollegen präsentieren und in welche Richtung sich ein Slam entwickelt. Im Vorteil ist, wer spontan das Passende aus dem Hut zaubern kann.

Eine besondere Gelegenheit, das auszuprobieren, bietet sich vielleicht im nächsten Jahr. Dann soll es im Braunschweiger C1-Kino einen ersten Poetry Slam zum Thema Film geben.

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