Leben & Wohnen, Salzgitter

Fackelschwimmen: kurzweiliges Spektakel bis zu Poseidons Auftauchen

Die Eier sind gefärbt – von den Tauchern und dem Osterhasen persönlich – Foto: Dennis Lendeckel

Was als Spaß der Taucherfamilie begann, hat sich zum Kult entwickelt. In diesem Jahr geht das österliche Fackelschwimmen am und im Salzgittersee in die 43. Runde. Am Ort des Geschehens treffe ich einige Taucher, um zu erfahren, warum sie sich zum Fest in die eisigen Fluten stürzen.

Hans Kadelka von der Tauchgemeinschaft Sepia Salzgitter startete die Tradition mit einigen unternehmungslustigen Vereinskollegen und ein paar übrig gebliebenen Silvesterraketen. Sie wollten „etwas stattfinden lassen“. Schon nach fünf Jahren hatte das Fackelschwimmen einen gewissen Status erreicht: Man engagierte zum ersten Mal einen Profi-Feuerwerker.

Tausende Schaulustige kommen

„Uns ist wichtig, dass die Leute Spaß haben“, sagt Mike Jago vom Organisationsteam der TG Sepia. Und das ist offenbar der Fall. Inzwischen kommen immer am Ostersonntag mehrere Tausende Schaulustige, um Poseidon lautstark aus dem Winterschlaf zu wecken.

Ihnen wird einiges geboten: Schon ab 16 Uhr ist der Osterhase an der Reppnerschen Bucht unterwegs. Üblicherweise verteilt er an diesem Nachmittag vier bis fünf Kilo Ostereier. Ab 18 Uhr startet das Programm für die Großen, das mit Einbruch der Dämmerung einen ersten Höhepunkt findet: Die fackeltragenden Schwimmer steigen ins rund 5 Grad kalte, trübe Wasser.

Laute Rufe wecken den Meeresgott

„Mitmachen kann jeder, der sich zutraut, die Strecke von rund einem Kilometer mit Flossen zurückzulegen. Zudem muss die Fackel über dem Wasser gehalten werden“, sagt Lars-Oliver Arsenjuk, 1. Vorsitzender der TG Sepia. Doch fürchten muss sich niemand. Es sind genügend erfahrene Schwimmer dabei und die DLRG begleitet die Taucher mit dem Boot.

Draußen auf dem See bilden die Fackelschwimmer einen Kreis – das Startzeichen für den Feuerwerker. Er brennt über dem See ein ostereierbuntes Kunstwerk ab. Danach rufen die Fackelschwimmer, die zwischenzeitlich wieder in Ufernähe zurückgekehrt sind, gemeinsam mit dem Publikum nach dem Meeresgott. Bisher ist er – früher oder später – immer aufgetaucht, versichern mir die Taucher bei unserem Treffen.

Eiskalt: Manche Taucher tauchen auch im Winter

In all den Jahren wurde das Fackelschwimmen nur einmal abgesagt. Damals bedeckte eine dicke Eisschicht den Salzgittersee. Dabei lassen sich die Taucher üblicherweise nicht von Eis abschrecken. Pflegen doch einige Vereinsmitglieder die Tradition des Silvesterantauchens. Andere tauchen täglich, auch im Winter.

Mit der entsprechenden Ausrüstung sei das eigentlich kein Problem, sagt Mike Jago. Einen dicken Anzug, Handschuhe, Flossen und eine Kopfhaube zählt er als notwendiges Zubehör für das Tauchen bei Kälte auf. Er selbst bevorzugt den warmen Trockentauchanzug mit 7 Millimeter Neopren. „Der ist für Weicheier“, lacht er.

Keine Angst vor kaltem Wasser: Mike Jago an der Reppnerschen Bucht – Foto: Beate Ziehres

Auch hinsichtlich des Fackelschwimmens, das seit zehn Jahren gemeinsam mit der städtischen „Bäder, Sport und Freizeit Salzgitter GmbH“ ausgerichtet wird, hat Mike Jago einen Spruch parat. „Neue Mitglieder im Tauchverein haben an Ostern Urlaubssperre. Wer zum Fackelschwimmen nicht da ist, kriegt keinen Tauchschein“, droht er. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das glauben soll.

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