Arbeiten & Unternehmen, Salzgitter

Fit im Job – Gesunde Mitarbeiter sorgen für ein gesundes Unternehmen

MAN Truck & Bus Salzgitter: Betriebsarzt Dr. Uwe Rohrbeck kümmert sich um die Kolleginnen und Kollegen – Foto: Bärbel Mäkeler

Seit 1950 bietet der Internationale Weltgesundheitstag weltweit die Gelegenheit, gesundheitspolitische Schlüsselthemen anzusprechen. Zu diesem Anlass habe ich den Leiter des Gesundheitsdienstes von MAN Truck & Bus Salzgitter Dr. Uwe Rohrbeck besucht.

Bildung altersgerechter Arbeitsplätze

In diesem Jahr steht zum Weltgesundheitstag das Thema „Depression“ auf der Agenda. Hinsichtlich des Themas zielt natürlich meine erste Frage darauf ab, wie es denn um Depressionen bei MAN steht. „Depressionen stehen so weit unten in unserer Statistik, dass sie unter ‚Sonstiges‘ fallen. Wir haben noch nicht einmal 3 Prozent Fälle von psychischen Erkrankungen. Mir machen viel mehr die über 50 Prozent an Muskel-Skelett-Erkrankungen Sorgen. Das ist hier bei MAN unser Thema – neben rund 20 Prozent Beschwerden bei den Atemwegen.“ Worunter auch die banale Erkältung mit Schnupfen und Husten, aber auch Grippe und Asthma fallen, erläutert mir Dr. Rohrbeck. „Hinsichtlich der Muskel- und Skeletterkrankungen muss berücksichtigt werden, dass bei einem Durchschnittsalter von 47,4 Jahren im Werk bereits schon die Opa-Generation am Band steht. Mittelpunkt unserer Verhältnisprävention ist deshalb die Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze.“

Die Gesundheitsangebote für Mitarbeiter sind vielfältig – Foto: Bärbel Mäkeler

Das 5-Stufen-Modell von MAN

Um gegen die typischen Erkrankungen in der körperlich anstrengenden Produktion anzugehen, regte der Allgemeinmediziner vor rund zwanzig Jahren an, Verhältnis- und Verhaltenspräventionen mittels Arbeitsplatzbeurteilungen zu erarbeiten. Eine Konsequenz daraus war ein 5-Stufen-Modell mit Vorbeugemaßnahmen, die in einer Betrieblichen Gesundheitsförderung gipfelten. „Die erste Maßnahme, die Gesundheitsbefragung, schockierte mich regelrecht, als ich merkte, dass die Beschäftigten ihren eigenen körperlichen Zustand wenig bis gar nicht kannten. Fast die Hälfte der Kollegen wusste nicht, in welchem Bereich sich ihre Blutdruckwerte befinden, geschweige denn, wie es um ihre Cholesterin- oder Blutzuckerwerte stand“, berichtet Dr. Rohrbeck.

Dabei sind es gerade in dieser Altersklasse die Zivilisationskrankheiten Bluthochdruck, Diabetes und Störungen im Fettstoffwechsel, die die Arbeitsfähigkeit und Lebenserwartung beeinflussen, erklärt mir der Facharzt für Arbeitsmedizin mit den Zusatzqualifikationen Sportmedizin/Rettungsmedizin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) behauptet übrigens, dass die Deutschen fünf bis zehn Jahre länger leben könnten, wenn sie gesünder leben würden, erfahre ich so ganz nebenbei. Welch erfreuliche Aussicht!

Gemeinschaftliche Übungen halten die Belegschaft Fit – Foto: Xenia Stalldecker (MAN)

Gesundheitsschicht und Check-up

Die 2. Stufe des MAN-Modells holt die Beschäftigten für einen Tag aus ihrer Arbeitsschicht heraus – rein in die sogenannte Gesundheitsschicht®. Diese ganz andere Art von Schicht zeigt jeweils 15 Kollegen einen abwechslungsreichen Mix aus Tipps zu Ernährung, richtiger Bewegung und Stressbewältigung. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich im unternehmenseigenen Fitnessraum auszuprobieren oder Entspannungs­übungen zu erlernen. Die Gesundheitsschicht® ist freiwillig und meist schon über Monate im Voraus ausgebucht. Wer dann „Blut geleckt“ hat, der betritt die 3. Stufe des Modells: Ihm oder ihr steht ein umfangreicher Check-up bevor.

Dieser Check, den alle Beschäftigten ein Mal pro Jahr nutzen können, umfasst eine umfangreiche Blutuntersuchung, ein EKG und einen Lungenfunktionstest, einen Hör- und Sehtest, eine Messung des Herzinfarkt-Indexes und des Körperfetts, der Muskelmasse und einiges mehr. Wenn alle Ergebnisse vorliegen, nimmt sich eine Internistin noch mindestens 30 Minuten Zeit für die Abschlussuntersuchung und Befundbesprechung.

„Haben die Kollegen nicht Bedenken, dass die Ergebnisse unter Umständen an die Geschäftsführung weitergegeben werden?“, frage ich. „Diese Bedenken kommen schon mal vor, aber natürlich unterliegen wir der Schweigepflicht. Das Gesundheitsprofil aus dem Check-up wird ausschließlich dem Mitarbeiter persönlich ausgehändigt.“ Von den 2.500 Beschäftigten haben in den letzten drei Jahren bereits 1.150 am Gesundheits-Check-up teilgenommen.

Präventionsprogramm

Nun ist ja ein Check-up noch kein Gesundbrunnen. Da müssen Aktionen folgen. Und hier setzt Stufe 4 ein: das Präventionsprogramm. Für das MAN-Werk arbeiten drei Physiotherapeuten, die Rückenschule und Coachings zu den Themen Ernährung, Abnehmen, Bewegung oder Ergonomie am Arbeitsplatz zusammen. Für Entspannung sorgen Massagen und hier bezuschusst MAN pro Mitarbeiter fünf Massagen im Jahr mit je 7 Euro. Auch Krebsvorsorge- und Ultraschalluntersuchungen unterschiedlicher Facharztrichtungen können die Beschäftigten kostenlos nutzen. So kommen regelmäßig vier Urologen, zwei Radiologen, eine Internistin und eine Hautärztin ins Werk. Zudem gibt’s Freizeitgruppen, zum Beispiel, um Tischtennis zu spielen, zu wandern, Pilates oder Inline Skating zu machen.

Gesundheitsmanagement mit Erfolg

Wer seine Belegschaft so vorbildlich sensibilisiert, die Gesundheit fördert und aufrechterhält, der hat auch einen Preis verdient. Und den konnte Dr. Rohrbeck schon zwei Mal für die MAN Truck & Bus in Form des Corporate Health Awards 2012 und 2013 entgegennehmen. Dr. Rohrbeck, der sehr engagiert mit acht Rettungsassistenten beziehungsweise arbeitsmedizinischem Assistenzpersonal im Dienste der Gesundheit bei MAN unterwegs ist, sieht darin eine Anerkennung und Bestätigung des überaus erfolgreichen Gesundheitsmanagements.

„Kann man diesen Erfolg nach immerhin rund zwanzig Jahren denn auch messen?“, will ich wissen. „Ja, und zwar insofern, dass unsere Belegschaft in den letzten Jahren um rund zehn Jahre im Durchschnitt gealtert ist, aber die Fehlzeiten trotzdem nicht angestiegen sind.“ Bis dahin war es ein langer Weg. „Die positiven Effekte eines ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) zeigen sich aber nur, wenn die Bereitschaft der Führungskräfte vorhanden ist, dafür Strukturen zu schaffen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Das BGM gehört unterdessen zu unserer Unternehmenskultur, es wird aktiv gelebt und sichert so die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens“, ist sich Rohrbeck sicher.

Führungsebene muss Gesundheitsmanagement vorleben

Um noch einmal auf den heutigen Internationalen Gesundheitstag zurückzukommen, frage ich den erfahrenen Arzt, was kleinere Unternehmen an solch einem Tag auf die Beine stellen sollten. „Obstteller und gute Ratschläge sind reiner Aktionismus und bringen gar nichts“, ist Rohrbeck überzeugt. „Hier sind langfristiges Engagement der Führungsriege und ein gelebtes Gesundheitsbewusstsein eingebettet in die Firmenkultur eine Voraussetzung. Als Auftakt eines langfristigen Programms kann sich ein gut überlegter Gesundheitstag allerdings durchaus anbieten.“ Nachhaltige Angebote sind also hier angesagt.

Am Ende unseres Gesprächs zeigt mir Dr. Rohrbeck noch die Räumlichkeiten des Gesundheitsdienstes. Dort kann ich gleich eine Messung des Körperfetts, der Muskelmasse und des Körperwassers an einer neuen MAN-Mitarbeiterin miterleben. Eine Tür weiter, in der Garage, wartet der Rettungswagen auf seinen nächsten Einsatz. Zum Abschluss darf ich dann auf das Wassermassagebett, das die MAN-Kollegen übrigens kostenlos buchen können.

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