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Jubiläum: 20 Jahre Kinomuseum in Vollbüttel

Peter Schade-Didschies präsentiert den Besuchern des Kinomuseums unterschiedliche Kinoprojektoren – Foto: Marike Bebnowski

Wenn ich vom Kinomuseum Vollbüttel erzähle, so geht das nicht, ohne von Peter Schade-Didschies zu erzählen. Seiner persönlichen Initiative ist es zu verdanken, dass mitten im kleinen Ort Vollbüttel im Landkreis Gifhorn ein mediengeschichtliches Museum mit technischem Schwerpunkt zu finden ist.
Die Kinotechnik und ihre Entwicklung in mehr als hundert Jahren Kinogeschichte sowie weitere technische Besonderheiten können Besucher dort bestaunen: Kinoprojektoren, historische Mikrofone, Schallplattenschneidemaschinen oder auch Fernsehprojektoren der ersten Stunde. In diesem Jahr feiert das Kinomuseum sein 20-jähriges Jubiläum.

Technikaffin seit früher Kindheit

Peter Schade-Didschies‘ Affinität zu Technik war bereits in frühster Kindheit unübersehbar. In der Nachkriegszeit bekam er Schalter, Steckdosen und Fassungen geschenkt, die er sammelte und damit experimentierte. „Dann bekam ich auch bald meinen ersten elektrischen Schlag – sehr zum Schreck meiner Mutter“, schmunzelt er. „Außerdem habe ich gerne an Radios gebastelt und schon als Kind einen kleinen Projektor besessen.“ Insbesondere die Wiedergabetechnik tat es ihm an. Und im Laufe der Jahre wurden immer mehr Projektoren erworben, die er in die Sammlung einbrachte. „Ich bin regelrecht auf die Suche nach Projektoren gegangen. Wenn ich in einem Gebäude zum Beispiel ein ehemaliges Kino vermutet habe, bin ich rein und in der Tat gab es dort oftmals ungenutzte Projektoren zu kaufen oder auch geschenkt“, so Schade-Didschies.

Kinoprojektoren stehen im Fokus

Seit 1997 existiert das Museum, betrieben wird es vom Förderverein „Verein der Freunde und Förderer des Museums für Kinematographie e. V.“, dem Schade-Didschies vorsitzt. Heute stehen Kinoprojektoren im Vordergrund der 200 Quadratmeter großen Ausstellung, die saisonal leicht geändert wird, in ihren Hauptbestandteilen jedoch konstant bleibt. Sie greift die Schwerpunkte Projektoren, Ton, Schnitt und TV sowie Stromversorgung auf. Es gibt außerdem einen Bildwerferraum, von dem aus das Bild auf die große Vorführleinwand projiziert wird. Umgeben ist diese natürlich von Original-Kinositzen wie in einem Kinosaal.

So ein Museum habe ich noch nie gesehen. Die vielen technischen Geräte auf der einen Seite, die gemütlichen Kinositze auf der anderen. Der Kinosaal kann sogar stilecht beleuchtet werden, was Schade-Didschies mir sogleich vorführt. Das warme, kinotypische Licht passt perfekt. Sofort hätte ich Lust, mir einen Film anzuschauen.

Ausstellungsstück zum Jubiläum: der 70-mm-Filmprojektor von 1964 – Foto: Marike Bebnowski

Zurück in die Vergangenheit

Im Mittelpunkt der Sammlung, die seit dem 2. April 2017 in der Jubiläumsaison zu sehen ist, steht ein 70-mm-Filmprojektor aus dem Jahr 1964, was der doppelten Breite eines Standardfilms entspricht, und der mit 6-Kanal-Magnetton mit einem E-Kanal ausgestattet ist. „Das ist im Prinzip der Effektkanal“, erklärt Schade-Didschies, „die Bezeichnung ist mittlerweile veraltet und entspricht dem, was man heute ‚Surround-Sound‘ nennt.“ Insgesamt sind etwa 20 Kinoprojektoren in der Ausstellung zu finden. Allesamt stammen aus der Zeit vor der Digitalisierung. „Die Digitalisierung war eine Zäsur in der Kinogeschichte und der Endpunkt klassischer Kinotechnik“, sagt er. Gerade deshalb sei es so wertvoll, im Museum die vorher genutzte Technik auch zukünftig zu zeigen.

Filme aus fast hundert Jahren Kinogeschichte

1.000 Schulfilme und Hunderte Kinofilme können den Besuchern mit den zum Teil über 100 Jahre alten Projektoren vorgeführt werden. Die ganze Bandbreite des Films bis zu Beginn der Digitalisierung bildet das Filmarchiv des Museums ab. Die jüngsten Filme sind etwa zehn Jahre alt. „Nitro-Filme aus den 1920er-Jahren können wir nicht zeigen, dafür aber Filme der 1940er- und den Sicherheitsfilm ab Ende der 1950er-Jahre. Mein Lieblingsfilm ist ‚In Fesseln von Shangri-La‘ aus den 1930ern. Es ist aber auch sehr spannend, Stummfilme anzuschauen. In puncto narrativer Schnitt und Bildfolge sind sie einzigartig“, schwärmt Schade-Didschies.

Besuchergruppen und ein Gast aus Hollywood

„20 bis 30 Gruppen melden sich Jahr für Jahr an. Nicht alle sind technikaffin, sondern einfach neugierig darauf,  was wir hier zeigen. Für sie machen wir gerne ein kleines Event mit Führung, Film und Kaffeetrinken“, berichtet Schade-Didschies. An zwei prominente Gäste erinnert sich Schade-Didschies zudem. „Kurt Enz, der Kinopabst der DDR, war hier zu Gast. Und Sven Pape, in Hollywood tätiger Cutter und Regisseur aus dieser Region, hat hier eine Matinée veranstaltet.“
Angesichts des Herzbluts, das unübersehbar in diesem ganz besonderen Museum steckt, wünsche ich Peter Schade-Didschies und allen anderen Unterstützerinnen und Unterstützern des Kinomuseums ein Jubiläumsjahr mit vielen schönen Momenten.

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