Szene & Kultur, Wolfsburg

Hell erleuchtet – Das innovative Lichtsystem in der Volkswagen Arena

Jeder Winkel des Stadions wird mit dem neuesten Lichtsystem erleuchtet – Foto: Ingo Bartels

Der VfL Wolfsburg verbessert stetig das Fußballerlebnis für seine Fans. Seit der Rückrunde 2016/2017 gibt es mit dem LED-Flutlicht nicht nur ein hell erleuchtetes Spielfeld in der Volkswagen Arena, sondern auch ein nachhaltiges und zukunftsträchtiges System, das in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) einmalig ist.

Gänsehaut beim Spielereinlauf

Ich erinnere mich noch sehr gut an den 8. März 2008 – auch wenn ich das exakte Datum nachschauen musste. Zu der Zeit lebte ich noch in Frankfurt am Main und war am Wochenende zu Besuch in Wolfsburg. Ein Freund, der beim VfL arbeitete, nahm mich mit zum Bundesliga-Heimspiel gegen Energie Cottbus. Er hatte mir im Vorfeld erzählt, dass der VfL eine Agentur beauftragt hatte, die das Erlebnis VfL Wolfsburg steigern sollte. Ich war schon oft beim VfL als Gast und kannte den Ablauf natürlich, sodass ich einfach nur auf den Anpfiff um 15:30 Uhr wartete. Wenige Minuten vorher wurde es dunkel und plötzlich sprangen die beiden 53-Quadratmeter-Leinwände an. Es ertönte ein ohrenbetäubendes Wolfsgeheul mit einem Wolfsrudel, das so lange heulte, bis das VfL-Logo in den Nachthimmel aufstieg und wie ein Herz pochte. Dabei liefen die beiden Mannschaften in die Arena. Gänsehaut! Sogar jetzt, während ich dies schreibe. Ich war völlig geflasht und fand das Video mit dem Geheule sensationell. Der 3:0-Sieg machte dann meinen Stadionbesuch zu einem einzigartigen Erlebnis.

Hell erleuchtetes Fußballerlebnis

Fast zehn Jahre später schreitet der VfL weiter, um das Erlebnis Fußball zu maximieren. Als erster Bundesliga-Verein vereinbarte der VfL Wolfsburg mit Philips Lighting die Umrüstung der Volkswagen Arena auf LED-Flutlicht. Die Vorteile sind schnell ersichtlich, denn das Spielfeld ist komplett und heller ausgeleuchtet als mit dem herkömmlichen Flutlicht. Aber auch für die Spielübertragung bietet das LED-Licht große Vorteile, denn flackerfreie Superzeitlupen in HD-Qualität und spektakuläre Lichteffekte steigern das Fußballerlebnis auch zu Hause vor den Bildschirmen. Das neue Flutlichtsystem integriert kopfbewegte Scheinwerfer (Moving-Heads), die das Entertainment-Erlebnis im Stadion erhöhen.

Neben dem klassischen „Licht“ für das 90-minütige Spiel können damit auch spektakuläre Lichteffekte erzeugt werden. Diese sind eher bekannt aus Bühnenbeleuchtungssystemen, wenn Pop- und Rockstars ihre Show mit Lichteffekten verstärken. Installiert wurde das LED-Flutlichtsystem in der Winterpause und feierte seine Premiere am 21. Januar 2017 beim 1:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV. Ich erblickte das Licht erstmals beim 20:30-Uhr-Flutlichtspiel gegen den SV Werder Bremen am 24. Februar 2017.

Zukunftsträchtige Technologie

„Das 20:30-Uhr-Spiel gegen Bremen war für die Zuschauer ein besonderes Erlebnis“, schwärmt Thomas Franke, der das Projekt beim VfL Wolfsburg von Beginn an mitbegleitet hat und heute verantwortet. Der studierte Sportmanager, den ich während meines Studiums an der FH Braunschweig/Wolfenbüttel (jetzt FH Ostfalia) am Campus Salzgitter kennenlernte, ist seit 2003 bei der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH tätig. Er stieg als Assistent der Geschäftsführung ein und wurde 2006 zum Leiter Organisation und Stadionbetrieb ernannt. Seit 2014 ist er Leiter Infrastruktur und Organisation, sodass auch die Installation des LED-Flutlichts in seinen Verantwortungsbereich fällt. Er betont, dass es wichtig sei zu wissen, dass es nicht nur eine innovative Flutlichttechnik ist, sondern zeitgleich eine nachhaltige und zukunftsweisende Technologie. „Es war schon ein beeindruckendes Erlebnis in Eindhoven, als ich das LED-Flutlicht zum ersten Mal sah“, schwärmt der Sportmanager über seinen Besuch beim Champions-League-Gruppenspiel der Wölfe im November 2015.

Auch bei dem CL-Auswärtsspiel beim KAA Gent im Februar 2016 sah er die ganze Fassade mit LED-Licht. „Die beiden Spiele waren für uns ein Wink des Schicksals. Wir hatten vorher schon kleinere LED-Projekte ausprobiert,“ erklärt Franke im Gespräch vor dem Bayern-Spiel. Für Philips war es eine gute Möglichkeit, einen Showcase in Wolfsburg zu installieren. Über die Sponsoringabteilung ging es in die Gespräche, um das Projekt möglichst groß aufzuziehen. Ein Jahr später stehen in der Volkswagen Arena 216 LED-Flutlichter mit zehn fest verbauten Eventstrahlern, die sich stufenlos verstellen lassen. „Es ist bei uns alles vernetzt: Sound, Licht, Bande und Videowände“, erklärt Franke und ergänzt, „das ist weltweit einmalig“.

Die Lichtshows sollen die Zuschauer auf die beiden Halbzeiten einstimmen: Beim Einlaufen und bei der Mannschaftsaufstellung sowie zu Beginn der 2. Halbzeit zeigt die Lichtshow tolle Lichteffekte. Dazu noch bei VfL-Toren und Heimsiegen. Ein Vorteil der LEDs ist das Einschalten ohne Aufwärmphase „wie bei einer Taschenlampe“. Die Scheinwerfer erzeugen sofort ein makelloses, flickerfreies Licht mit hoher Gleichmäßigkeit. Darüber hinaus lassen sich die Flutlichtscheinwerfer auch gruppiert einschalten, um nur Teile des Spielfelds, zum Beispiel beim Training oder für Wartungsarbeiten, zu beleuchten.

18:30 Uhr gegen die Bayern

Auch wenn es noch hell ist, freue ich mich auf das LED-Flutlicht. Das Flutlicht ist auch bei Tageslicht unwahrscheinlich hell und zeigt, dass kein Fleckchen Rasen im Dunkeln bleibt. Meine Freude auf dieses ganz besondere Bundesliga-Spiel hält leider nur 19 Minuten, denn dann ballert David Alaba einen Freistoß ins Wolfsburger Tor zur 1:0-Führung. Der Anfang eines Debakels. Es folgen fünf weitere Tore des designierten Deutschen Meisters und der Frust im Stadion ist groß.

Nach der 0:6-Klatsche treffe ich Thomas Franke. Mir fällt mir noch eine letzte Frage ein: „Wann hast du erstmals das LED-Licht in der Volkswagen Arena gesehen?“ Franke: „Das war ein Tag vor der Pressekonferenz am 18. Januar 2017. Dort zeigte uns Nordsound (Anm. d. Red.: Die Firma Nordsound ist der Programmierer der Lichtshow. Philips lieferte die Hardware und sorgte für deren Installation) schon die ersten Elemente der Lichtershow. Zum HSV-Heimspiel konnte ich dann die vollständige LED-Umsetzung sehen und bin mir bis heute sicher, dass es für die Zuschauer ein neues Stadionerlebnis bietet.“

Apropos Stadionerlebnis: Was die VfL-Fans in der aktuell prekären Situation ihrer Mannschaft leisten, ist beeindruckend. Selbst beim Stand von 0:5 gegen die übermächtigen Bayern sangen die Fans in der Nordkurve „Einmal Wolfsburg, immer Wolfsburg, hey hey“. Ein großes Lob für so viel Rückhalt. Hoffentlich strahlen die LED-Lichter auch in der nächsten Saison in der 1. Bundesliga.

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