Arbeiten & Unternehmen, Peine

Hightech-Filter von Hoffmann: Ein Hidden Champion aus Lengede

Firmen-Chef Tobias Hoffmann vor einer Filter-Anlage – Foto: Jörg Scheibe

Hoffmann-Filter. Klingt nach Kaffee oder nach Zigaretten. Doch weit gefehlt. Es geht um Hightech-Filtersysteme für industrielle Schleifmaschinen, die das mittelständische Familienunternehmen Hoffmann in Lengede (Kreis Peine) erfolgreich baut. Beim Schleifen von Metallteilen werden Kühlschmierstoffe wie Öl oder Emulsionen eingesetzt, damit nichts heißläuft. Beim Hoffmann-Filter sorgt ein umweltfreundlicher Kreislauf dafür, dass die verschlammten Schmierstoffe kontinuierlich gefiltert und gereinigt, dann gekühlt und wieder dem Bearbeitungsprozess zugeführt werden.

„Künstliche Niere für Schleifmaschinen“

Bei der Filtration von Schleifölen in der Zahnradfertigung ist das Unternehmen technisch weltweit vorn. „Wir sind Weltmarktführer in diesem Bereich und liefern praktisch an alle großen Werkzeugmaschinenhersteller“, erzählt mir Firmenchef Tobias Hoffmann bei einem Besuch. Im Gespräch wird mir klar, dass Hoffmann ein Hidden Champion ist: Ein Unternehmen, das auf seinem speziellen Nischenmarkt weltweit Spitze ist und einen großen Namen hat, das jedoch in der heimischen Region viele Menschen nicht kennen.

Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau gibt es viele solcher mittelständischen Hidden Champions. Sie sind die Basis der Exportnation Deutschland. Die Hoffmann Maschinen- und Apparatebau GmbH, wie das Unternehmen offiziell heißt, verkauft  seine Filtersysteme weltweit in alle industrialisierten Länder, in denen es Fahrzeug- und Getriebehersteller gibt – wo Zahnräder, Nocken- oder Kurbelwellen produziert und dabei geschliffen werden.

„Unsere Filter sind die künstliche Niere für Schleifmaschinen“, beschreibt Hoffmann die technisch hochwertigen Produkte – weil sie im Endloskreislauf die Schmierstoffe kontinuierlich ohne Stillstand filtern und kühlen. Es gibt verschiedene Filtertechniken für unterschiedliche Schmierstoffe. 80 Prozent des Geschäfts macht das Unternehmen jedoch mit dem Zahnradschleifen. „Wir planen und entwickeln für unsere Kunden jeweils Systeme, die für ihre Anforderungen maßgeschneidert sind“, erläutert Hoffmann.

Das Spektrum reiche von einer kommodengroßen Filteranlage, die einen Öldurchfluss von 100 Litern je Minute mit einer elektrischen Leistung des Kühlerkompressors von 35 kW hat, bis zur riesigen Zentralanlage, die so groß wie ein Einfamilienhaus ist, 10.000 Liter Schleiföl je Minute filtert und eine installierte Kälteleistung von 1,5 Megawatt hat. Dabei säubern Hoffmann-Filter bis zu einer Reinheit im Mikrometer-Bereich – das sind tausendstel Millimeter.

240 Mitarbeiter und 30 Auszubildende

Was macht Hoffmann weltweit so stark, frage ich den 52-jährigen Firmenchef, der das 1971 vom Vater gegründete Unternehmen inzwischen seit 20 Jahren führt. Hoffmann nennt gleich mehrere Gründe: „Wir sind innovativ, bieten höchste Qualität und stellen uns flexibel auf die Wünsche unserer Kunden ein. Wir haben eine hohe Expertise und eine fachlich starke Mannschaft.“ Derzeit beschäftigt das Unternehmen an zwei Standorten in Lengede, die 1.000 Meter Luftlinie auseinander liegen, rund 240 Mitarbeiter. Davon sind – eine stolze Zahl – 30 Auszubildende in sieben Ausbildungsberufen. „Wir haben einen ungewöhnlich hohen Anteil an eigener Fertigung“, stellt Hoffmann fest. Es wird im Unternehmen fast alles selbst gemacht – von den Filtern als Herzstück einer Anlage über den Behälterbau per Roboterschweißer oder dem Bau und der Programmierung von Schaltschränken bis zum weltweiten Service einschließlich Ersatzteillieferungen. „Wir sind der einzige Filterhersteller, der auch die Kühler selbst auslegt und baut“, fügt Hoffmann hinzu.

Ein Werk auf ehemaligem Grubengelände

Ich mache mit Hoffmann einen Rundgang durch den Betrieb und bin doppelt beeindruckt: von der modernen Gestaltung aller Bereiche und von der Begeisterung, mit der der Firmenchef mir den Betrieb und die Arbeitsprozesse erläutert. Das Stammwerk steht übrigens auf dem Gelände des ehemaligen Schachtes Mathilde, auf dem vor 54 Jahren das schreckliche und berühmte Grubenunglück passierte.

In einem 100 Jahre alten Grubengebäude sitzt die Verwaltung – eine gelungene Kombination aus alter Bausubstanz und moderner Ausstattung. Die Fertigungshallen sind hell, licht, weiträumig und sehr sauber – was vermutlich dem Reinheitsgebot der Produkte geschuldet ist. Die Fertigungsprozesse scheinen mir klar strukturiert und organisiert zu sein. Die viel diskutierte Industrie 4.0 ist hier ebenfalls weitestgehend realisiert. Hoffmann: „Wir haben die Steuerung und Kontrolle aller Prozesse bereits weitgehend digitalisiert.“ Bemerkenswert finde ich, dass die rund 40 Planer und Entwickler mitten in der Fertigung sitzen. Auf dem Dach der neuesten Halle, vor drei Jahren in Betrieb genommen, ist eine Photovoltaik-Anlage installiert, die Strom für den Betrieb liefert.

China ist wichtigster Exportmarkt

„Wir stellen jährlich 500 Filtersysteme her, von denen 60 Prozent exportiert werden, davon wiederum 60 Prozent nach China“, fasst Hoffmann zusammen. In einigen Ländern hat das Unternehmen eigene Vertriebs- und Servicepartner. In den USA gibt es zudem ein kleines Schwesterunternehmen mit eigener Fertigung.

Vier Aufgaben eines Unternehmers

Ist denn der Chef bei einem so starken Exportgeschäft nicht ständig auf Reisen? „Nein“, antwortet Hoffmann: „Ich fahre nur viermal im Jahr nach China und in die USA.“ Er mische sich grundsätzlich nicht ins operative Geschäft ein, denn dafür habe er gute Leute. „Wenn ich ins operative Geschäft eingreife, dann wird es eher gestört“, stellt er selbstironisch fest. Er nennt vier Hauptaufgaben eines Unternehmers: „Er muss genug Geld beschaffen, er muss genug Platz bereithalten, er muss die richtigen Leute am richtigen Platz einsetzen und er muss sich von den falschen Leuten trennen.“ Er sei bei jedem Einstellungsgespräch dabei, betont Hoffmann – und auch bei jeder unfreiwilligen Verabschiedung. Sehr aufwendig sei inzwischen die Suche nach Auszubildenden. Da arbeite man eng mit Schulen in Lengede zusammen.

Kunstverein, Jazzkonzerte, Filmfest

Bemerkenswert finde ich das ehrenamtliche Engagement von Hoffmann. Er ist erster Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer Braunschweig, darüber hinaus ist er seit Kurzem Vorsitzender des Kunstvereins Braunschweig. Hoffmann: „Kunst ist für mich lebenswichtig und deshalb fördere ich sie auch.“ Er sponsert unter anderem auch Jazzkonzerte und das Filmfest Braunschweig.

Hoffmann im Konferenzraum. An den Wänden hängt moderne Kunst – Foto: Jörg Scheibe

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