Arbeiten & Unternehmen, Peine

Malen lernen in sechs Stunden? Das gibt’s doch gar nicht. Oder doch?

Alle Teilnehmer in Aktion – Foto: Kathrin Bolte

Malen war noch nie so meins. Damals in der Schule war ich schon beim Strichmännchenzeichnen restlos überfordert. Doch malen soll ja gut für die Seele sein. Eine Freizeitbeschäftigung, bei der man dem Alltag entfliehen und entspannen kann. Wie gut, dass meine Schwester gerade in Peine eine Malschule für die BOB ROSS®-Technik aufgemacht hat.

Mit dem vielversprechenden Namen „Leinwand-Lounge“ hat sie sich große Ziele gesetzt. Eines davon heute: ihrer großen Schwester das Malen beizubringen. Ob es geklappt hat? Seht selbst. Malen soll ich eine Landschaft mit Leuchtturm. Das Konzept von BOB ROSS® und Leinwand-Lounge: Zu bestimmten Terminen wird ein ganz bestimmtes Bild gemalt. Und heute ist der Leuchtturm dran.

Mallehrerin aus Leidenschaft

Julia Teifel, Jahrgang 1981, verrät auf ihrer Webseite, dass ihr die Malerei 2009 über den Weg lief. Kunst war für sie zu Schulzeiten ein Graus, aber kreativ war sie schon immer. Es war dann die Fernsehsendung „The Joy Of Painting“, die sie dazu brachte, die BOB ROSS®-Malerei intensiv anzugehen. Nach mehreren Kursen, in denen sie selbst ohne jede Vorkenntnisse tolle Bilder malte, reifte der Entschluss, sich zur Mallehrerin in der BOB ROSS®-Malerei ausbilden zu lassen. Ergebnis: Sie hat eine Malschule in Peine eröffnet und gibt dort eigene Kurse.

Versprochen: Alle stellen ein Gemälde fertig

Der Seminarraum in Peine in der Gunzelinstraße ist hell und freundlich. Wie die Zinnsoldaten stehen sieben Arbeitsplätze bereit. Eine fast nackte Leinwand – sie beinhaltet eine leichte Bleistiftzeichnung als Richtschnur – starrt mich anklagend an. „Mal! Mich! An!“ scheint sie zu rufen und mich packt der Fluchtinstinkt.

Die Gruppe ist bunt gemischt, jedes Alter ist vertreten. Es macht mich ein wenig zuversichtlicher, als in der Vorstellungsrunde herauskommt, dass viele nicht malen können, aber es einfach mal ausprobieren wollen. Die Erwartungen sind groß. Julia verspricht: „Ihr nehmt alle ein fertiges Gemälde mit nach Hause.“ „Tja“, denke ich bei mir, „fragt sich nur, wann der heutige Tag zu Ende ist und ob man etwas darauf erkennt.“

„Happy accidents“ – glückliche Unfälle!

Na dann, ran an die Waffen, ähm, an die Pinsel natürlich. Gemalt wird mit Ölfarben. Schritt für Schritt malt Julia alles auf ihrer Leinwand vor, wir malen es nach. Zunächst wird der Leuchtturm gemalt. Es folgt der Sonnenuntergang, dann der Himmel, das Meer. Nach und nach entwickelt sich in mir der Blick für Details. Ich bin in der Lage, gerade Striche zu malen. Es kommt etwas zum Vorschein, was als Landschaft durchgehen kann.

 

Das Grundgerüst des Meeres ist fertig. Ich auch. Mit zittrigen Händen gönne ich mir einen Kaffee – dessen Verbrauch bei diesen mentalen und körperlich sehr hohen Anforderung ins Unermessliche steigt, wie meine kleine Schwester mir verrät – und dann geht es ans Eingemachte. „Splish, Splash!“, schließlich liegt das Meer selten ruhig, sondern bringt Wellen mit sich, die an den Strand schwappen. Bunt lachen mich die Ölfarben an, jetzt besonders die weiße, mit der ich Wellen malen soll – teilweise mit so dicken Pinseln, mit denen ich nicht mal Wände streichen würde.

Doch nach und nach entsteht ein Bild, das dem Original sehr nahe kommt. Ich verliere langsam die Angst, einen Pinselstrich zu machen. Das liegt vielleicht auch daran, dass Julia die Teilnehmer immer wieder ermutigt: „Wir machen keine Fehler – Bob Ross nennt sowas „happy accidents“ – glückliche Unfälle!“

Hat Spaß gemacht

Naja, und nach sechs Stunden zuhören, staunen – sehr viel staunen – und trauen sind doch tatsächlich wunderschöne Bilder herausgekommen. Mein Fazit: Ob Malen für die Seele gut ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber fürs Wachstum. Gefühlt bin ich einen Meter größer und unheimlich stolz auf mein erstes Gemälde. Man kann etwas erkennen und wenn man genau hinschaut, hat es Ähnlichkeit mit dem von Julia. Spaß gemacht hat es in jedem Fall. Eine Erfahrung war es auch. Ob mich das Bob-Ross-Fieber gepackt hat, vermag ich jetzt noch nicht zu sagen. Ich bin heute einfach nur fertig mit der Welt. Doch, diese Polarlichter, die Julia im Dezember mit den Kursteilnehmern malt, also, ich wüsste schon, wo ich das Bild hinhängen würde …

Müde aber glücklich: Am Ende hat jeder ein Bild gemalt. Vorne rechts im Bild ist Julia Teifel – Foto: Kathrin Bolte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.