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VfL-Wolfsburg: von Volzum in die Königsklasse

starke Frauen im Fussball: Joelle Wedemeyer - Foto: VfL Wolfsburg

Die Begeisterung für den Fußball hat sie von ihrem Vater Veit geerbt. Schon in frühestem Kindesalter liebte sie den Ball. Über den Heimatverein TSV Volzum 1947 e.V. ging es später zum VfL Wolfsburg und in die Nachwuchs-Nationalmannschaft. Eine beeindruckende junge Karriere, von der Joelle Wedemeyer (20 Jahre alt) beim Interview im VfL-Stadion am Elsterweg berichten konnte.

Beim TSV Volzum mit Jungs kicken

Das kennt wahrscheinlich jeder aus seiner Kindheit. Irgendwo spielte immer ein Mädchen mit und die war nicht zwingend schlechter als die Jungen. So auch bei Joelle Wedemeyer aus Evessen. Ein kleines Dorf in der Nähe von Sickte ist die Heimat des heutigen VfL-Talentes. Sie kickte mit ihrem Vater auf der Straße und hatte einfach Spaß an der frischen Luft und dem Ballspiel.

Mit sechs Jahren startete sie dann in der Jungenmannschaft vom TSV Volzum. Das war im Jahr 2002. Sie blieb bis zu ihrem 11. Lebensjahr. Grund war ein Freundschaftsspiel mit ihrem Verein gegen den großen Nachbarn MTV Wolfenbüttel. Das Spiel schaute zufällig der Trainer der Wolfenbütteler Mädchenmannschaft und war sofort begeistert vom Talent der kleinen Joelle, die schon immer in der Verteidigung spielte.

DFB Pokalfinale – Foto: VfL Wolfsburg

In der Lessingstadt schafft Joelle den Sprung in die Bundesliga

In der Saison 2008/2009 wechselt sie als elfjähriges Mädchen direkt in die B-Jugend. Ihr Talent bleibt auch den Auswahltrainern nicht verborgen. Zuerst spielt sie in der Kreisauswahl Wolfenbüttel, dann in der Bezirksauswahl Braunschweig und später in der Niedersachsenauswahl. Das blieb der damaligen VfL-Nachwuchs-Trainerin Anja Hoppe nicht verborgen und sie kontaktierte die gebürtige Braunschweigerin per E-Mail – „Komm zum VfL Wolfsburg in die B-Jugend!“

Das war im Sommer 2010. „Ich wollte nicht schon wieder all meine Freunde hinter mir lassen“, erklärt die Studentin und ergänzt, „aber in der Winterpause der Saison 2010/2011 löste sich unsere Truppe irgendwie auf und ich kontaktierte den VfL.“ Dann ging alles ganz schnell. Sie spielte noch ein Jahr unter Anja Hoppe in der Niedersachsenliga, ehe Kerstin Kahrens übernahm. Damit begann auch gleichzeitig das Abenteuer Bundesliga. Die neugegründete B-Juniorinnen Bundesliga startete mit dem Rechtsfuß aus Evessen.

Der internationale Durchbruch gelingt 2014

Mit den guten Leistungen in der Bundesliga wird sie auch für die erste Mannschaft von Ralf Kellermann interessant. Ihre damalige Trainerin Kerstin Kahrens fragt Joelle, ob sie Lust hätte bei den „Großen“ mitzutrainieren. Ihre Augen strahlen, wenn sie davon erzählt und zeigen einmal mehr ihre Begeisterung für den Sport, den sie nicht aufgeben möchte und auch noch nie einen Gedanken daran verschwendet hat. Das Vorspielen läuft gut und sie darf gleich mit ins Trainingslager. Mit der neuen Saison 2013/2014 wechselt die damals 17-jährige Verteidigerin zu den Profis. Zuerst trainiert sie nur mit und sammelt in der zweiten Mannschaft Spielpraxis. Die spielen immerhin in der 2. Bundesliga. Ihre Leistungen sind konstant gut und das weckt das Interesse der deutschen Nationalmannschaft.

Für die U17 macht sie zwei Lehrgänge mit. Ihr Debüt muss allerdings warten. Am 7. April 2014 in Belgien ist es dann endlich soweit. Beim 7:0 Kantersieg gegen die Ukraine spielt sie erstmals mit dem Adler auf der Brust. Im gleichen Jahr ist sie im Kader für die U20-Weltmeisterschaft in Kanada. Als Gruppenerster schalten sie im Viertelfinale Gastgeber Kanada, dann Frankreich und schließlich Nigeria aus. Joelle wird in der zweiten Halbzeit eingewechselt und wird durch einen 1:0-Sieg in der Verlängerung mit nur 18 Jahren U20-Weltmeisterin. Auch bei den nächsten großen Turnieren wird sie für die U20-Nationalmannschaft nominiert.

Allerdings kommt die Mannschaft bei der Europameisterschaft 2015 in Israel nur bis ins Halbfinale und scheidet bei der Weltmeisterschaft 2016 in Papua-Neuguinea im Viertelfinale aus. Allerdings kämpft Joelle seit Saisonbeginn mit Verletzungsproblemen. „Ich habe in der aktuellen Saison erst ein Spiel gemacht“, sagt sie etwas geknickt über ihre Leistenverletzung. Aber sie kämpft, weil sie den Sport so liebt. Und sie kommt wieder in Tritt. Vor dem Interview absolvierte sie eine Laufeinheit. Auf die Frage mit welchem Tempo sie gelaufen sei, sagt sie lächelnd kurz und knapp „zügig“ und ich bin mir sehr sicher, dass ich wohl nicht hinterhergekommen wäre.

Joelle im Spiel gegen den ACF Brescia – Foto: VfL Wolfsburg

Auch beim König des Fußballs mischt sie mit

Die Rede ist natürlich von der Champions League. Der VfL Wolfsburg gehört zu den erfolgreichsten Frauenmannschaften der letzten Jahre und daher geht es auch in der Königsklasse stets auf Titeljagd. Für Joelle Wedemeyer heißt das in der Saison 2015/2016 Verantwortung übernehmen im begehrtesten Wettbewerb Europas. Während sie in der Innenverteidigung richtig starke Konkurrenz mit Nilla Fischer und Babett Peter vor sich hat, bleibt ihr oft nur die Ersatzbank.

Im Viertelfinale in Italien wird sie von ihrem Trainer überrascht, der sie überraschend zum Aufwärmen mit in die Startelf schickt. „Ich dachte Nilla muss getaped werden und ich soll nur schnell die Lücke füllen beim Warmmachen“, sagt sie rückblickend. Am 30. März 2016 kommt Nilla Fischer aber nicht mehr zurück, da ihre Probleme nicht mit einem Tape gelöst werden können. Joelle ist da und macht eine gute Partie beim 3:0 Heimsieg gegen den ACF Brescia. Es folgen weitere Einsätze im DFB-Pokal und in der Bundesliga. Die junge Studentin hat sich etabliert in der erfolgreichen Mannschaft. Doch die aktuelle Saison ist ein erster Rückschlag in ihrer noch jungen Karriere, denn die langandauernde Verletzung wirft sie zurück. Auch deshalb ist es gut, dass sie sich parallel für ein Studium entschieden hat.

Neben ihrer Fussballkarriere studiert Joelle an der FH Ostfalia Wolfenbüttel – Foto: Filmpunktton

Karriere neben der Karriere

An der FH Ostfalia ist sie am Standort Wolfenbüttel im Studiengang „Recht, Personalmanagement und –psychologie“ eingeschrieben. Seit dem Wintersemester 2015 studiert sie erfolgreich und ist bereits im 4. Semester. Da es meist keine Anwesenheitspflicht gibt, kann sie den Unterrichtsstoff von zu Hause oder unterwegs nachholen, wenn sie es mal nicht in die Vorlesung schafft. Die Skripte der Dozenten eignen sich dafür für die Vor- und Nachbereitung. „Aber auch meine Freundinnen helfen mir sehr viel“, erzählt sie über den Zusammenhalt unter den Kommilitoninnen. Zu den Prüfungszeiträumen hat sie zum Glück immer Sommer- bzw. Winterpause.

Allerdings muss sie schon einen Spagat hinlegen, denn gerade in der Vorbereitungszeit geht es für die Kellermann-Truppe ins ausländische Trainingslager. Dann muss Joelle Wedemeyer die Klausur im nächsten Semester nachholen. Aber wie passen Recht und Fußball zusammen? „Es ist eher ein Personalmanagementstudium mit Rechtsfragen zu Arbeitnehmern und der Psychologie von Arbeitnehmern“, erklärt sie mir den Hauptfokus des Studienfaches und ergänzt, „ich wollte schon immer etwas mit Menschen zu tun haben.“ Das ist ihr auf beiden Karrierepfaden sehr gut geglückt.

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