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Zukunft – made in Braunschweig! Das Lilienthalhaus

Martin Pietsch (Geschäftsführer Volksbank BraWo Projekt GmbH) und Ivan Binder (Projektentwickler Volksbank BraWo Projekt GmbH /Projektleiter Lilienthalhaus) – Foto: Norman Lies

Das Ziel meiner heutigen Reise ist das im August eröffnete Lilienthalhaus am Braunschweiger Forschungsflughafen. Schon von der Autobahn A2 aus ist es zwischen den Bäumen gut zu sehen. Und kaum abgefahren, stehe ich schon davor – am Lilienthalplatz Nr. 1, vis-à-vis dem altbekannten Flughafengebäude.

Das erste Haus am Platz

Meine beiden Gastgeber Martin Pietsch und Ivan Binder erwarten mich bereits am Eingang. Der Geschäftsführer und der Projektleiter der Volksbank BraWo Projekt GmbH führen mich sichtlich gut gelaunt durch die Räumlichkeiten ihres jüngsten „Babys“. Schon von außen war mir das besondere, vom Braunschweiger Architekten Hartmut Rüdiger konzipierte Design dieses Hauses mit seiner gold-titanfarbenen Fassade aufgefallen.

Den Eindruck im Inneren finde ich jedoch noch intensiver: Reduzierte, stromlinienförmige Form- und Farbsprache trifft auf Hightech in Form eines durchsichtigen Daches und findet seinen Gegensatz in einer frei stehenden Treppe, die ähnlich einer Skulptur im Museum jede Aufmerksamkeit auf sich zieht. „Eine komplizierte Sonderanfertigung“, erklärt mir Herr Pietsch schmunzelnd, „und manche behaupten gar, wir hätten hier ein luftiges bisschen Haus nur um diese Treppe herum gebaut.“

Damit spielt er natürlich auch auf das quasi nicht vorhandene Dach über dem Atrium an – das, wie mir erklärt wird, aus einer Art Luftwolke besteht, die von nur 0,2 Millimeter dicker Folie eingefasst wird. Ob das nicht energietechnisch teuer wird, möchte ich wissen. „Überhaupt nicht“, erwidert Projektleiter Binder. „Das gesamte Gebäude haben wir aufwendig auf Nachhaltigkeit über seine gesamte Lebensdauer hinweg getrimmt und sind dafür sogar von der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) mit dem Zertifikat in Gold belohnt worden.“ Ich bin ziemlich erstaunt, wie eine dünne Luftschicht so effektiv zu einem guten Raumklima beitragen kann.

Weiter geht’s mit dem Rundgang. Die beiden zeigen mir einige modular aufgebaute Veranstaltungsräume, die flexibel in ihrer Größe veränderbar sind. Wie ich erfahre, gilt dieses Prinzip jedoch auch für die Bürosegmente des Hauses: „Alle Mietflächen sind flexibel in ihrer Größe anpassbar“, so Binder. „Wenn ein Mieter das wünschen sollte, können auf einer Etage beispielsweise die Bürotrennwände verschwinden und ein zusammenhängender, bis zu 1.500 Quadratmeter großer Raum entstehen. Jeder kann sich individuell seine Art der Zusammenarbeit nach Bedarf und Wunsch kreieren.“

 

Meeting in den Wolken

Wir steigen die Treppe hinauf in das vierte Obergeschoss, direkt unter dem Dach, und betreten die „Skylounge“. Genauer gesagt einen separat anmietbaren Besprechungsraum mit weitem Blick auf das Flughafengelände. Wir setzen uns und ich genieße eine Zeit lang die exklusive Aussicht; und tatsächlich setzt dabei direkt ein bisschen Fernweh ein.

Jetzt habe ich aber natürlich einige Fragen zu diesem Objekt; wann die Idee dazu aufkam, zum Beispiel. „Das war 2012“, antwortet mir Martin Pietsch. „Ich hatte von einem Bedarf an Bürogebäuden hier am Flughafen erfahren. Aber als ich hier stand, fragte ich mich sofort: Wo gibt es hier denn etwas für die Besucher des Forschungsflughafens? Wo werden die empfangen, wo halten die sich auf? Das war die Geburtsstunde der Idee zu unserem Zentrum für Luft-, Raumfahrt und Mobilität, dessen Kern das Lilienthalhaus bildet. Mit toller Unterstützung der Stadt, der Braunschweig Zukunft GmbH und Carola Meyer von der Forschungsflughafen Braunschweig GmbH haben wir hier gemeinsam ein Quartier ersonnen, das aus insgesamt vier Häusern sowie einem Forschungsparkhaus bestehen wird, welches wir in Kooperation mit der Stadt entwickeln. Zusammen mit einer infrastrukturellen Umgestaltung des Lilienthalplatzes wird dieses Zentrum ein wichtiger Kern des internationalen Standortmarketings für die Stadt.“

Herr Binder, unter dessen Projektleitung das Haus entstand, führt auf meine Frage nach der Nutzung des Hauses aus: „Unter diesem Dach vereinen sich fünf Bausteine: 1. die frei zu mietenden variablen Veranstaltungsflächen, 2. Flughafendienstleistungen wie Mobilitätsservice und Bistro, das neben der Aufenthaltsqualität auch das Catering des gesamten Umfeldes sicherstellen wird, 3. die flexibel einteilbaren Büros unserer Mieter, 4. ein gesonderter Bereich für Start-ups und 5. die „Wissenswelt“ des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), das hier seiner Kompetenz in einem Showroom Gestalt gibt.

Star Trek lässt grüßen

Und da fällt mir auf, was ich vorhin noch unter der Decke des Atriums gesehen hatte: Eine Art Satellit ist dort aufgespannt. Bei dem handelt es sich, wie ich jetzt erfahre, um einen originalgetreuen Nachbau des DLR-Kometenlanders Philae. Er war zusammen mit der Raumsonde Rosetta in den letzten Jahren das Thema mancher Nachrichtensendung.

Der Nachbau des Philae-Kometenlanders des DLR begrüßt die Besucher beim Eintreten – Foto: Norman Lies

Ich bin wirklich beeindruckt und könnte noch länger hier oben in der Skylounge dem geschäftigen Treiben auf den Rollfeldern zusehen. Die plötzlich dunkel werdenden Glasscheiben beenden jedoch meine Schau. „Elektrisch tönbares Glas – ein weiteres kleines Gagdet hier“, grinst Binder, „sämtliche Fenster des Lilienthalhauses können sich bei Sonneneinstrahlung computergesteuert verdunkeln – bisher einzigartig in ganz Deutschland.“

Ich bedanke mich bei den beiden für die interessanten Einblicke und die Führung. Beim Verabschieden fällt mein Blick auf die leeren Grundstücksflächen neben dem Haus. Hier entstehen in den nächsten Jahren also die weiteren Bausteine dieses modernen Zentrums. Gern werde ich also bald wiederkommen – und dann über diese Ergänzungen berichten!

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